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1. Einleitung

Artikel

Es gibt in politischen Umbruchzeiten wie denen des November 1918 wichtigeres, als die Beschlagnahme von Archiven. Dennoch beschloss der revolutionäre Rat der Volksbeauftragten am 26. November 1918, die Akten des Auswärtigen Amts unter seine Obhut zu stellen.

Die Weltkriegsakten

Karl Kautsky (1854-1938)
Karl Kautsky (1854-1938)© AA

Es gibt in politischen Umbruchzeiten wie denen des November 1918 wichtigeres, als die Beschlagnahme von Archiven. Dennoch beschloss der revolutionäre Rat der Volksbeauftragten am 26. November 1918, die Akten des Auswärtigen Amts unter seine Obhut zu stellen. Am Ende stand eine der ersten amtlichen Akteneditionen der Geschichte, die zugleich wissenschaftlichen Standards genügte, und die bis heute nichts an Wert und verloren hat.

Sie war das Ergebnis der editorischen Arbeit einer Kommission aus Historikern und Archivaren unter der Leitung des sozialdemokratischen Politikers Karl Kautsky. Die Grundlage ihrer späteren vierbändigen Publikation war ein auch heute noch im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts verwahrter Bestand. Die Aktenserie „Der Weltkrieg“ mit über 180 Aktenzeichen und mehr als 2100 Archivbänden stellt die vielleicht wichtigste staatliche nichtmilitärische Überlieferung zum Ersten Weltkrieg dar. Auch die Julikrise des Jahres 1914 ist hier dokumentiert. Auf dieser Sammlung konnte Kautskys Historikerkommission aufbauen. 80 % der Dokumente stammen aus den ersten Bänden der „Weltkriegsserie“.

Schluss mit Geheimdiplomatie

Die Kommission sollte die Akten sichten, aber Kautsky sollte nicht etwa nur der Revolutionsregierung gutachterlich berichten. Von Beginn war geplant, eine Auswahl der Akten zu veröffentlichen. Es sollte mit den Gewohnheiten der Geheimdiplomatie Schluss gemacht werden. Die Revolutionszeit war auch eine Zeit der Publizität für das, was zuvor in den Gesprächszirkeln der Diplomaten ohne Öffentlichkeit, oft ganz geheim verhandelt und allenfalls den ebenso geheimen Akten anvertraut worden war. Jetzt sollten die Akten des Auswärtigen Amts vor der Öffentlichkeit als materieller Beleg geschichtlicher Ereignisse dienen. Das sollte nicht in der damals üblichen Form amtlicher Propaganda, sondern als Ergebnis einer Bewertung durch Geschichtswissenschaftler geschehen. Der Auftrag ging an den Historiker sowie die preußischen Staatsarchivare Hermann Meyer und Richard Wolff. Angeführt wurde die offiziell „Kommission zur Prüfung der Geheimakten und Archive“ bezeichnete Arbeitsgruppe jedoch von einem SPD-Politiker. Dass dabei Karl Kautsky eine Aufsichtsfunktion zugedacht war, wird man unterstellen dürfen.

Weitere Informationen

Gustav Mayer, eigentlich ein Liberaler, hatte sich als Historiker mit der Arbeiterbewegung beschäftigt und besaß wohl deshalb das Vertrauen beider sozialdemokratischer Richtungen. Über seinen Kommissionsauftrag aber war er alles andere als begeistert.

2. Kautskys Aktensichtung

Nachdem sich der Rauch der Revolution wieder verzogen hatte, verfolgte das Auswärtige Amt eine geänderte Strategie. Der ursprüngliche Entschluss, die Akten zum Kriegsausbruch zu veröffentlichen, wurde verworfen...

3. Fortsetzung der Arbeit

Bei amtlichen Editionen liegt die Frage nach Ihrer Zuverlässigkeit stets nahe. Sie liegt schon deshalb nahe, weil die mit politischer Absicht veröffentlichten Farbbücher häufig Auslassungen erkennen ließen oder ihnen nachträglich Manipulationen bewiesen wurden.

4. Der Wert der Edition

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