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Beispiele zu den Dokumenten der Julikrise

Artikel

Ausgewählte Beispiele aus den Dokumenten veranschaulichen das Erscheinungsbild der zeitgenössischen Dokumente. Sie demonstrieren, wie aus den Schriftstücken der Ablauf von Entscheidungsprozessen rekonstruiert werden kann.

Außer den Merkmalen, die im Folgenden beschrieben werden, zeigen die Aktenstücke weitere technische Vermerke, die zur Erkenntnis der Abläufe und Verantwortlichkeiten beziehungsweise die Auffindbarkeit der Stücke im Archiv unwesentlich sind und deshalb im Folgenden übergangen werden. Die am unteren Blattrand aufgestempelten Nummern weisen auf die Mikrofilme hin, die nach der Beschlagnahmung des Archivs durch die Alliierten um 1950 in Großbritannien von den Akten angefertigt wurden.

I. Erlass des Auswärtigen Amts an den Botschafter in Bukarest

Dokument 563 aus Archivband 19875, Blatt 22

Überlieferungsform: Konzept des Telegramms

I. Erlass des Auswärtigen Amts an den Botschafter in Bukarest
I. Erlass des Auswärtigen Amts an den Botschafter in Bukarest© AA

Scan des Originals in voller Größe

Der Verfasser, von Rosenberg, entwirft den Text des Telegramms (A) und in der linken Spalte und einen erläuternden Vermerk für seine Vorgesetzten (B).















Weitere Bestandteile des Telegrammentwurfs (A):

Nr.
Funktion
Textteil
1
Ort und Datum
„Berlin, den 1. August 1914“
2
Dringlichtkeitsvermerk
„Dringend“
3
Empfängeradresse (Sommerresidenz Karls I. von Rumänien in Sinaia über die Botschaft Bukarest)
„Sinaia (Bukarest)“
4
Chiffrierverfügung
„Telegramm in Ziffern“
5
Verfügung der Unterzeichnung durch den Staatssekretär des Auswärtigen Amts
„StS“
6
Paraphe des Konzipienten, Frederic von Rosenberg, Vortragender Rat in der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amts
„Rosenberg 1./8.“

Vermerke aus dem Geschäftsgang des Auswärtigen Amts:

Nr.
Bearbeitungsschritt
Vermerk
7
Der Dirigent der Politischen Abteilung genehmigt den Entwurf mit seiner Paraphe ...
„Stumm 1./8.“
8
... ebenso abschließend der Staatssekretär; sein Name wird am Schluss des übermittelten Telegramms stehen.
„Jagow“
9
Das Zentralbüro das Auswärtigen Amts vermerkt die Journalnummer dieses Stücks ...
„AS 14968 C II“
10
... sowie die Erlassnummer.
„Nummer 63“
11
Das Chiffrierbüro des Auswärtigen Amts verschlüsselt den Text der Nachricht, vermerkt den benutzten Schlüssel ...
„Chiffre 0042 Leh.“
12
... vergibt eine weitere, technische Kontrollnummer ...
„Journalnummer 10684“
13
... und vermerkt, wann das Konzept zur Absendung auf das Telegraphenamt gebracht wurde.
„ab 1./.8. 4.40 Nachmittag“
14 a-b
Nach dem Abgang des Telegramms gelangt der Entwurf zurück in die Politische Abteilung. Der Unterstaatssekretär nimmt davon Kenntnis ...
„Zimmermann“ und „vom Unterstaatssekretär 2. August“„
15
... ebenso der Vortragende Rat Diego von Bergen.
„Bergen“
16
Das Zentralbüro vergibt das Aktenzeichen und nimmt das Stück zu den Akten.
„Serbien 4“, geändert zu „Russland 104“

II. Bericht des Botschafters in Wien an das Auswärtige Amt und Erlass des Auswärtigen Amts an den Botschafter in Belgrad

Dokumente 110 und 114 aus Archivband 19867, Bl. 24

Überlieferungsformen: Behändigte Entzifferung des Telegramms (A = Dokument 110) und aufgesetzter Entwurf des Erlasses, sogenannte „Marginalresolution“ (B = Dokument 114).

II. Bericht des Botschafters in Wien an das Auswärtige Amt und Erlass des Auswärtigen Amts an den Botschafter in Belgrad
II. Bericht des Botschafters in Wien an das Auswärtige Amt und Erlass des Auswärtigen Amts an den Botschafter in Belgrad© AA

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Formularbestandteile der Entzifferung (A):

Nr.
Funktion
Textteil
1
Zeit und Ort des Abgangs
„Wien, den 22. Juli 1914, 1 Uhr 45 Minuten nachmittags“
2
Zeit der Ankunft am selben Tag
„3 Uhr 52 Minuten nachmittags“
3
Berichtsnummer
„Nr. 94“
4
Textkorrekturen und Übermittlungsfehler
„nächstältesten“, „werde“

Vermerke aus dem Geschäftsgang des Auswärtigen Amts:

Nr.
Bearbeitungsschritt
Vermerk
5
Das Zentralbüro des Auswärtigen Amts vergibt den Eingangsvermerk ...
„praesentatum 22. Juli 1914 post meridiem“ [nachmittags]
6
... die Journalnummer ...
„AS 1334“
7
... und verfügt die Vorlage beim Reichskanzler.
„Reichskanzler +“

Spuren der Bearbeitung durch den Reichskanzler fehlen.

B
Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts setzt auf den linken Rand den Entwurf eines Erlasses an den Botschafter in Belgrad, zeichnet ihn mit seiner Paraphe („Jagow“) ...
8
... und lässt das Stück zurückgehen
„von seiner Exzellenz 22. Juli“
9
Das Zentralbüro vergibt die Erlassnummer ...
„Nr. 26“
10
... und das Datum des Erlasses.
„22./7.14“
11
Das Chiffrierbüro verschlüsselt den Text der Nachricht, vermerkt den benutzten Schlüssel ...
„Chiffre Nr. 0042 Rg.“
12
... vergibt eine technische Kontrollnummer ...
„Journal Nummer 9895“
13
... und vermerkt, wann das Konzept zur Absendung auf das Telegraphenamt gebracht wurde.
„zur Station 22./7. 6.55 Nachmittags“
14 a-b
Nach dem Abgang nimmt der Unterstaatssekretär Kenntnis von dem Bericht aus Wien und dem Erlass des Staatssekretärs ...
„Zimmermann“ und „von Herrn Unterstaatssekretär 23./7.“
15
... ebenso der zuständige Vortragende Rat Diego von Bergen.
„Bergen 23./7.“
16
Das Zentralbüro vergibt das Aktenzeichen und nimmt das Stück zu den Akten.
„Serbien 4“, geändert zu „Russland 104“

III. Immediatbericht des Reichskanzlers an den Kaiser mit Randbemerkungen Wilhelms II.

Dokument 221 aus Archivband R 19869, Bl. 44

Überlieferungsform: Behändigte Entzifferung.

III. Immediatbericht des Reichskanzlers an den Kaiser mit Randbemerkungen Wilhelms II.
III. Immediatbericht des Reichskanzlers an den Kaiser mit Randbemerkungen Wilhelms II.© AA

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Der zugrunde liegende Bericht folgt im Erscheinungsbild dem Muster von Beispiel II. Der Kaiser hat seine Bemerkungen auf den freien linken Rand gesetzt. Im Unterschied zu Beispiel II entstand daraus kein eigenständiges Schriftstück, sondern das Original wurde mit den Randbemerkungen zur weiteren Verwendung an das Auswärtige Amt gesandt.

Auf der hier nicht abgebildeten zweiten Seite des Berichts finden sich weitere Anmerkungen Wilhelms II.

Nr.
Bearbeitungsspuren des Kaisers
1
Unterstreichung von „englische“
2
Auf Nr. 1 bezogene Randbemerkung
3
Herrschermonogramm „Wilhelm“

IV. Handschreiben des russischen Zaren an den Kaiser

Dokument 487 aus Archivband R 19874, Bl. 26

Überlieferungsform: Behändigte Ausfertigung.

IV. Handschreiben des russischen Zaren an den Kaiser
IV. Handschreiben des russischen Zaren an den Kaiser© AA

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Vordruck des Schlosstelegraphenamts in Berlin mit dem Text des russischen Telegramms, handschriftlich niedergeschrieben von einem Telegraphenbeamten.













Vermerke des Telegraphenamts beim Empfang:

Nr.
Information
Vermerk auf dem Original
1
Zeit und Ort des Abgangs
„Petersburg, Palais, 121, den 31.ten 7. um 14 Uhr 55 Minuten nachmittags“
2
Zeit des Empfangs
„31. 7. um 2 Uhr 53 Minuten nachmittags“
3
Kontrollnummer
189

Vermerke aus dem Geschäftsgang des Auswärtigen Amts:

Nr.
Bearbeitungsschritt
Vermerk
4
Zentralbüro vergibt einen fehlerhaften Eingangsvermerk ...
„praesentatum 31. Juli 1914 ante meridiem“ [vormittags, richtig wäre: „post meridiem“, nachmittags]
5
... und die Journalnummer, die es als Geheimsache („Secretum“) ausweist.
„AS 1495“
6
... und vermerkt die Journalnummer und das Datum des Handschreibens Wilhelms II., auf das der Zar Bezug nimmt.
„A 15252 vom 30./7.“
7
Etwas später wird vermerkt, dem Zaren sei geantwortet worden ...
„Antwort 31./7.“
8
... doch hat sich das deutsche Telegramm (Nr. 480) mit dem russischen gekreuzt, stellt also keine Antwort dar. Als Verweis wird die Journalnummer des deutschen Telegramms vermerkt„Conferatur [vergleiche] AS 1494 a“
9
Das Stück erhält ein Aktenzeichen und wird zu den Akten genommen.
„Russland 104“

V. Aide-Mémoire des britischen Botschafters in Berlin

Dokument 353 aus Archivband R 19873, Bl. 59

Überlieferungsform: Behändigte Ausfertigung.

V. Aide-Mémoire des britischen Botschafters in Berlin
V. Aide-Mémoire des britischen Botschafters in Berlin© AA

Scans des Originals in voller Größe

Das Stück wurde vom britischen Botschafter persönlich übergeben. Es trägt weder Datum noch Unterschrift.














Vermerke aus dem Geschäftsgang des Auswärtigen Amts:

Nr.
Bearbeitungsschritt
Vermerk
1
Der Reichskanzler nimmt Kenntnis.
„Bethmann Hollweg 29.“
2
Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts nimmt Kenntnis ...
„von Jagow 30./7.“
3
... und gibt das Stück in den Geschäftsgang.
„von Seiner Exzellenz 30. Juli“
4
Das Zentralbüro vergibt den Eingangsvermerk ...
„praesentatum 30. Juli 1914 post meridiem“ [nachmittags]
5
... die Journalnummer ...
„A 15203“
6
... und das Aktenzeichen. Das Stück wird zu den Akten genommen.
„Serbien 4 Nr. 2“, geändert zu „Russland 104“

Weitere Informationen

Meyer, Hermann 1920. Das politische Schriftwesen im Deutschen Auswärtigen Dienst. Ein Leitfaden zum Verständnis diplomatischer Dokumente. Tübingen: Mohr.

Digitalisat im Internet Archive

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