Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts
100 Jahre Deutsche Lufthansa: Das Politische Archiv gratuliert
Vor 100 Jahren, am 6. Januar 1926, wurde die „Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft“, Vorläuferin der heutigen Deutschen Lufthansa AG, durch Fusion der „Deutschen Aero Lloyd AG“ und der „Junkers-Luftverkehr“ gegründet.
Über die Jahre entwickelte sich die Fluglinie zum Aushängeschild und damit zum „Flag Carrier“ des Landes. Auch wenn das Auswärtige Amt (AA) mit seinem Netz von Auslandsvertretungen die Bundesrepublik weltweit nach außen vertritt, so war und ist die Lufthansa mit ihrem Streckennetz und ihren weltweiten Niederlassungen und Büros ebenfalls ein „inoffizieller“ Repräsentant des Landes, der Deutschland mit der Welt verbindet.
Wenngleich die führenden Politiker*innen des Landes heute oft mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr zu Gipfeltreffen, Staatsbesuchen oder internationalen Konferenzen reisen, so entstiegen sie häufig genug den Maschinen der Lufthansa. Auch aus diesem Grund wird die Fluglinie von vielen als inoffizielle Botschafterin der Bundesrepublik wahrgenommen.
Ein besonderes Beispiel hierfür ist der Besuch von Bundeskanzler Konrad Adenauer in der Sowjetunion während der Frühphase der Bundesrepublik, der bis heute als bedeutendes Ereignis der deutschen Diplomatiegeschichte gilt und seine Kanzlerschaft prägte. Aus dieser Reise nach Moskau im September 1955 resultierte unter anderem die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Reise wurde äußert sorgfältig geplant, weshalb mehrere Aktenbände des „Sonderstabes Moskau“ des AA allein den Reisemitteln gewidmet sind. Oft verreisten zu dieser Zeit auch hohe Repräsentanten des Staates noch mit der Eisenbahn ins Ausland. Einige Angehörige der großen deutschen Delegation nahmen zur Anreise tatsächlich eine mehrtägige Zugfahrt auf sich – allerdings vor allem, um in Moskau mit dem eingesetzten Sonderzug über abhörsichere Räumlichkeiten zu verfügen, denn eine bundesdeutsche Botschaft gab es vor Aufnahme der diplomatischen Beziehungen dort noch nicht. Die Spitzen der Delegation um Bundeskanzler Konrad Adenauer und Außenminister Clemens von Brentano sollten aber per Flugzeug anreisen.
Da die Flugbereitschaft erst 1957 gegründet wurde, kam für den Transport allein die Lufthansa in Frage, die erst im April 1955 den Flugbetrieb wieder aufgenommen hatte. Obwohl sie deshalb einige geplante Transatlantikverbindungen nicht bedienen konnte, stellte die Lufthansa für eine Charter von DM 163.540 zwei Flugzeuge des Typs „Super Constellation“ zur Verfügung, um die deutsche Regierungsdelegation nach Moskau zu bringen (siehe Schreiben in der Galerie). Die elegante „Super Connie“ gilt aufgrund ihrer geschwungenen Linien unter Enthusiasten bis heute als Ikone des zivilen Flugzeugbaus.
Eines der Flugzeuge transportierte Bundeskanzler Adenauer mit seiner Entourage, das zweite das Team um Bundesaußenminister Clemens von Brentano. Das Kanzlerflugzeug wurde dabei so umgebaut, dass Adenauer im hinteren Bereich ein Konferenzraum mit Sesseln und Schreibtischen zur Verfügung stand (siehe Abbildung in der Galerie).
Die Maschinen hoben am 8. September 1955 in einem Abstand von 45 Minuten, um 9:00 und um 9:45, in Köln-Wahn ab, um die Delegation in knapp fünf Stunden nach Moskau zu bringen.
Pressesprecher Felix von Eckardt, Delegationsmitglied an Bord der Außenministermaschine, erinnert sich in seinen Memoiren an die Stimmung in der Kabine. Demnach war diese angesichts der historischen Tragweite der Reise und des ungewissen Ausgangs zunächst durchaus „bedrückend“. Erst ein Beamtenwitz von Clemens von Brentanos persönlichem Referenten Peter Limbourg („Was auch geschieht, meine Herren, die Gehaltsbezüge laufen weiter!“) lockerte die Atmosphäre etwas, doch von Eckardt blieb auch beim Servieren des Mittagsessens (Schildkrötensuppe, Kalbsmedaillons belegt mit getrüffelter Gänseleber, Schlosskartoffeln, Salate, Birne „Helene“, Mokka) nachdenklich. Er sinnierte, „…da fliegt man einige tausend Meter hoch über unserer alten Erde, und kaum jemand hat sich das Gefühl dafür bewahrt, dass ein solcher Flug immer wieder eine Art Wunder ist. Und dann kommt die Stewardess und serviert Kalbsmedaillon mit Gänseleber.“
Anders als noch 1955 sind Flugreisen 70 Jahre später breiten Schichten der Bevölkerung zugänglich und damit Alltag geworden. Dennoch ist anzunehmen, dass auch heutige Passagiere der Economy-Klasse beim Entfernen des Alu-Deckels ihrer „Chicken-Pasta“ gelegentlich ähnlichen Gedanken nachhängen, denn ein technisches Wunder ist das Fliegen auch heute noch.
Die Delegation um Bundeskanzler Adenauer jedenfalls wurde von der Lufthansa sicher nach Moskau und zurück transportiert, weshalb sie von logistischer Seite erheblich zum Gelingen der Mission beitrug. Die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion und insbesondere die Freilassung der letzten Kriegsgefangenen („Heimkehr der Zehntausend“) galten als große Erfolge von Adenauers Kanzlerschaft. Der Luftfahrthistoriker Lutz Budrass würdigt die Rolle der Lufthansa dabei: „Markierte dieser Flug den eigentlichen Beginn einer souveränen Bundesrepublik, so wurde auf dem Moskauer Flughafen auch für alle Welt sichtbar, dass die Lufthansa ihr Fahnenträger war.“
In diesem Sinne gratuliert das Politische Archiv des Auswärtigen Amts der Deutschen Lufthansa recht herzlich zum 100. Geburtstag. Wer im Dezember 2025 in unserer ständig wachsenden Archivdatenbank das Suchwort „Lufthansa“ eingibt, erhält 499 Treffer. Personen, die sich für die Erforschung dieser 100 Jahre interessieren, können daher auch das Politische Archiv gewinnbringend in ihre Recherchen mit einbeziehen.