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Goethe und die Mondlandung

Anmerkung von Abteilungsleiter Paul Frank auf dem Drahtbericht vom 16. Juli 1969, Archivsignatur: PA AA, B 35, Bd. 205

Anmerkung von Abteilungsleiter Paul Frank auf dem Drahtbericht vom 16. Juli 1969, Archivsignatur: PA AA, B 35, Bd. 205, © AA

Artikel

21. Juli 1969: Amerikanische Astronauten betreten zum ersten Mal den Mond

Als am 21. Juli 1969 zum ersten Mal Menschen den Mond betraten, war die ganze Welt fasziniert. Der deutsche Botschafter Rolf Friedemann Pauls war beim Start im „Weltraumbahnhof“ Cape Kennedy (heute: Cape Canaveral) mit zahlreichen Kollegen aus anderen Ländern anwesend.  Ihn beeindruckte die über 120 Meter hohe Mondflugrakete Saturn V so, dass er im anschließenden Bericht an das Auswärtige Amt einen nahezu lyrischen Ton anschlug, der sich in solchen Dokumenten nur höchst selten findet.

Botschafter Rolf Friedemann Pauls (ohne Datum)
Botschafter Rolf Friedemann Pauls (ohne Datum)© Bundesbildstelle

Breiten Raum nimmt darin im Übrigen eine kontrastierende Gegenüberstellung des amerikanischen wissenschaftlich-technologischen Erfolgs mit der – nach seiner Meinung – mangelnden europäischen Ge- und Entschlossenheit ein. Europäischer Nachholbedarf wurde offenbar nicht nur von ihm erkannt: 1975 kam es zur Gründung der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die Entwicklung der Trägerrakete „Ariane“, das Hubble-Weltraumteleskop oder das „Galileo“-Satellitensystem gehören zu den bekanntesten der seitdem dort entwickelten Projekte.

Der Bericht trägt wie üblich zahlreiche Geschäftsgangsvermerke, aus denen hervorgeht, dass er zum Beispiel auch vom damaligen Leiter der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amts, Paul Frank, gelesen und kommentiert wurde: „Vgl. Goethe auf dem Schlachtfeld“. Goethe, der den Weimarer Herzog 1793 auf dem Feldzug gegen das revolutionäre Frankreich begleitet hatte, berichtete dreißig Jahre später, er habe einigen Soldaten anlässlich der Entscheidungsschlacht von Valmy gesagt: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“ Der Hinweis auf die berühmte Äußerung des Dichters ist sicher sowohl ein Zeichen solider Bildung wie der hohen Einschätzung, die nicht nur der Botschafter dem Mondflug von Apollo 11 gab. Der Vermerk „gez. Frank“ wurde wohl zur Verdeutlichung nachträglich mit Bleistift hinzugesetzt.

Offizielle deutsche Glückwünsche sandten nach geglückter Landung auf dem Mond unter anderem Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und Bundesminister des Auswärtigen Willy Brandt.


Drahtbericht der Botschaft Washington vom 16. Juli 1969, Archivsignatur: PA AA, B 35, Bd. 205
Drahtbericht der Botschaft Washington vom 16. Juli 1969, Archivsignatur: PA AA, B 35, Bd. 205© AA
Regest und Formalbeschreibung

Washington, 1969 Juli 16

Rolf Friedemann Pauls, deutscher Botschafter in Washington, berichtet über den Start der Apollo-11-Mondmission der NASA.

Archivsignatur: PAAA B 35, Bd. 205.

Drahtbericht, Ausfertigung, (Arbeits-)Exemplar Nr. 22, DIN-A4, 1 Blatt, Vorderseite in Maschinenschrift beschrieben, oben rechts Registraturvermerk „IA6-84 SL 91.36“ (abgehakt), darunter im Dokumentenkopf Verteiler mit Empfängerkreis, auf dem Bericht zahlreiche Verfügungen und Vermerke, blaue und schwarze Unterstreichungen im Text

Der Inhalt dieser Präsentation steht unter einer Creative-Commons-Lizenz: CC BY-NC-ND 3.0 DE


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