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„Kleine Revision“, großer Bahnhof

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Nach der Revision des Besatzungsstatuts empfängt Bundespräsident Heuss am 4. April 1951 zum ersten Mal Diplomaten zur Übergabe ihrer Beglaubigungsschreiben

Feierliche Akkreditierung in Bonn
Feierliche Akkreditierung in Bonn: Botschafter und Gesandte von acht Nationen, die erstmals nach dem Krieg wieder mit Deutschland in diplomatische Beziehungen treten, überreichten am 4. April 1951 in Bonn Bundespräsident Professor Theodor Heuss ihre Beglaubigungsschreiben. Die Diplomaten (l-r): Ragnar Kumlin (Schweden), Albert Huber (Schweiz), Francesco Rizzo (Italien), Albert Wehrer (Luxemburg), Monsignore Muench (Vatikan), Bundespräsident Theodor Heuss, J. M. de Booy (Niederlande), Shri Prem Krishen (Indien) und Joao Barros Ferreira Da Fonseca (Portugal) © dpa

Das Besatzungsstatut von 1949, das die Beziehungen der drei Besatzungsmächte Frankreich, Großbritannien und USA zur Bundesrepublik regelte, wurde 1951 revidiert. Revidiert meint vor allem eine Übertragung größerer Befugnisse von den Alliierten auf die Bundesrepublik. Ein Teilbereich der kleinen Revision des Besatzungsstatuts war die Erweiterung der außenpolitischen Befugnisse der Bonner Republik. Zwar hatte sich Bundeskanzler Adenauer einen größeren Wurf erhofft, aber in manchen Punkten waren die Veränderungen trotzdem bahnbrechend, denn am 15. März 1951 konnte ein neues Ministerium, das „Auswärtige Amt“ errichtet werden.

Schon seit einiger Zeit standen ausländische Staaten gewissermaßen in den Startlöchern, um diplomatische Beziehungen mit der Bundesrepublik aufzunehmen. Der Generalkonsul von Portugal fragte im November 1950 schon nach. Und auch im Protokoll der Dienststelle für Auswärtige Angelegenheiten bereitete man sich auf das Inkrafttreten der Änderungen vor. Albert Wehrer, der luxemburgische Gesandte und als Dienstältester der Sprecher – „Doyen“ - der bei der Alliierten Hohen Kommission akkreditierten Diplomaten wurde konsultiert und ein Ablaufplan für die Überreichung von Beglaubigungsschreiben entworfen.

Bisher wurden Vertreter ausländischer Staaten bei der Alliierten Hohen Kommission akkreditiert und machten danach einen Höflichkeitsbesuch beim Bundespräsidenten. Nun wurde es möglich, volle diplomatische Beziehungen aufzunehmen und das Beglaubigungsschreiben für die Gesandten und Botschafter direkt dem Bundespräsidenten zu übergeben.

Versehen mit Instruktionen ihrer Regierungen kamen bisher bei der Alliierten Hohen Kommission akkreditierte diplomatische Vertreter auf die Dienststelle für Auswärtige Angelegenheiten im Bundeskanzleramt zu. Die Missionschefs der Niederlande und Indiens, J.M. de Booy und Prem Krishen, hatten am 6. und 8. März 1951 an den Bundespräsidenten bzw. an den Bundeskanzler geschrieben. Das Beglaubigungsschreiben des Botschafters von Italien, Babuscio Rizzo wurde mit dem „Sonderflugzeug“ eingeflogen. Andere bevorzugten den persönlichen Kontakt. Die Gesandten von Luxemburg, Albert Wehrer, und Schweden, Ragnar Kumlin, brachten Vorabversionen Ihrer Beglaubigungsschreiben einfach selbst in der Dienststelle im Bundeskanzleramt vorbei, die am 15. März 1951 zum Auswärtigen Amt werden sollte. Die Mitteilung des Chefs der Mission der Schweiz an das Auswärtige Amt ist uns nur in Form einer Pressemitteilung überliefert.

Errichtung einer Gesandtschaft Indiens in Bonn, Antwortschreiben Bundeskanzler Konrad Adenauer an den Gesandten Prem Krishen vom 22. März 1951, Archivsignatur: PA AA, B 10-ABT. 2/251
Errichtung einer Gesandtschaft Indiens in Bonn, Antwortschreiben Bundeskanzler Konrad Adenauer an den Gesandten Prem Krishen vom 22. März 1951, Archivsignatur: PA AA, B 10-ABT. 2/251 © AA

Dass der Apparat des Auswärtigen Amts zwar gut lief, manchmal aber noch Abstimmungsschwierigkeiten hatte, zeigt sich am Antwortschreiben Bundeskanzler Adenauers an Prem Krishen. Der Bundeskanzler schreibt „Die Bundesregierung hat es besonders zu schätzen gewusst, dass Indien das erste Land war, das sich zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Bundesrepublik bereit erklärt hat“. Darauf bezieht sich die Randbemerkung von Erica Pappritz links neben dem Text „Die l[au]t der Notiz des H. Limbourg v[om] 16.3. angeordnete Beteiligung des Prot[okoklls] ist nicht erfolgt. Infolgedessen konnte keine interne Richtigstellung erfolgen“.

Was war passiert? Der indische Gesandte Prem Krishen schrieb am 8. März an Bundeskanzler Adenauer, der niederländische Missionschef de Booy am 6. März an Bundespräsident Heuss. Das erste Schreiben gelangte von dort an die Verbindungsstelle zur Alliierten Hohen Kommission in der Dienststelle für Auswärtige Angelegenheiten, das Schreiben an den Bundespräsidenten von dort an die Protokollabteilung der Dienststelle. Und das Protokoll bekam die Antwort aus der Verbindungsstelle zur AHK vor Absendung nicht vorgelegt. Wenn auch unter den Ersten und sicherlich hochwillkommen, war das Schreiben von Prem Krishen nicht das Erste. Dieser Fehler konnte nach Absendung des Schreibens nicht mehr korrigiert werden.

Im Protokoll wurde währenddessen der Empfang bei Bundespräsident Theodor Heuss vorbereitet. Mit acht diplomatischen Vertretern wurde die „kleine“ Revision des Besatzungsstatuts zum Anlass für einen großen Empfang beim Bundespräsidenten.

Eigentlich ist die Übergabe eines Beglaubigungsschreibens ein Einzeltermin für nur einen Botschafter. Bei dieser Sondersituation in den ersten Jahren der Bundesrepublik wurden acht Diplomaten auf einem Termin versammelt. Eingeladen wurde auf den 4. April 1951 um 12:00 Uhr in das „Haus des Bundespräsidenten“ in der Koblenzer Straße 135 in Bonn. Als Anzug war „Frack mit schwarzer Weste und weißer Binde oder Uniform“ vorgesehen. Die Botschafter durften sich von „einigen Herren“1 ihrer Mission begleiten lassen, die dann dem Bundespräsidenten vorgestellt wurden. Im Anschluss war noch Zeit für ein Pressefoto. Der Fotograf der Deutschen Presseagentur hielt den Moment fest. Vor Ostern 1951 war das Auswärtige Amt wiedergegründet worden in der Woche nach Ostern wurde mit der Beglaubigung der ersten Gesandten und Botschafter ein weiterer Schritt hin zur Souveränität der Bundesrepublik genommen.

Eine Bildergalerie finden Sie unten auf dieser Seite!

1Aus dem Einladungsschreiben an den Botschafter der Niederlande, J.M. de Booy, PA AA; B 8-REF. 001, 002, PROT/1074 (Die Vorstellung, dass auch Frauen Mitglieder einer diplomatischen Mission sein könnten, war damals offenbar außerhalb der Vorstellungskraft des Protokolls, auch wenn mit Erica Pappritz eine Frau stellvertretende Leiterin des Protokolls war)



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